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„Eine Lampe kann man immer gebrauchen“

„Eine Lampe kann man immer gebrauchen.“

Unvergleichlicht. Unter diesen Label fertigt Norman Aksoy Lampenunikate, die er aus Fundhölzern und Alltagsgegenständen entwickelt. Meist nach Feierabend, denn im Hauptberuf ist er Integrationsbeauftragter bei der Bremer Polizei. Wir treffen ihn in seiner Werkstatt, die sich mitten im Lindenhofviertel im Stall eines alten Bauernhauses befindet.

Woher kommt das Interesse an kreativem Arbeiten? 

Ich habe schon immer gerne gebastelt. Das kommt von meinem Vater, der auf dem Bau unterwegs war. Ich musste als Jugendlicher oft mit, was mich total genervt hat. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mir handwerkliches Arbeiten Spaß macht. Heute ist das für mich wie Yoga. In meiner Werkstatt kann ich machen, was ich will, hier hab ich keinen Druck. 

Norman Aksoy bei der Arbeit in seiner Werkstatt

Bakelit-Telefone, Polizeihelme, Filmprojektoren, Porzellankannen, Schreibmaschinen, Lampenschirme, ein Keramik-Mops und Holzstücke in allen Größen und Formen. Daraus sollen irgendwann mal Lampen entstehen. Jede ist ein Unikat.

Wie entstand die Idee aus Fundholz Lampen zu bauen?

Die kam tatsächlich mit einem Stück Holz, welches ich hier im Hafen gefunden habe. An der Kap-Horn-Straße bei den Anlegern. Ich hab´s mitgenommen und dachte spontan: Bau eine Lampe draus! Dann hab ich hier und da gesammelt, Flohmärkte besucht, auch viel im Internet geguckt, was andere so machen, versucht, Sachen nachzubauen und schließlich bekam das Ganze seine eigene Dynamik. Wobei ich zugeben muss, es ist anfangs auch viel schief gegangen. Es war viel try and error dabei. Und vor zwei Jahren habe ich dann mein Nebengewerbe „Unvergleichlicht“ angemeldet. 

Die Lampen: Ist das Kunst oder Design? 

Kunst ist ja ein weiter Begriff. Ich nehme einfacdas, was die Natur geformt hat, und füge nur die Teile zusammen. Das Holz, wenn du das aus dem Wasser holst und trocknest, ändert sich die Farbe, es lösen sich Schichten ab. Das Ausgewaschene, die Verformungen, das kriegt der Mensch nie hin. Das ist für mich Kunst. Daraus nur Objekte zu machen, wäre mir aber zu langweilig. Eine Lampe kann man immer gebrauchen. 

Auf dem Bild seht ihr Werkzeuge, die Norman Aksoy in seiner Werkstatt benutzt

„Ich brauch dieses Handwerkliche, meinen Hammer, meinen Bohrer.“

Steckt dahinter auch der Gedanke von Upcycling? 

Ich arbeite zu 90% mit gebrauchten Materialien. Die Elektrik kaufe ich neu, schon aus Sicherheitsgründen. 

Worauf achtest du noch? 

Licht ist mir wichtig, besonders im Winter. Ich hasse LEDs. Es ist energietechnisch natürlich sinnvoll, aber für mich ist das zu kalt. So eine alte Kohlefadenbirne hat halt ein schönes warmes Licht, das ein bisschen an Feuer erinnert. Und wenn du eine LED anmachst, denke ich immer, ich bin beim Arzt. Und ich komme immer wieder auf Holz zurück. Am liebsten habe ich natürlich Stücke aus der Weser, weil das einen Heimatbezug hat. 

Norman Aksoy ist auch „made in Gröpelingen“. Vater Türke, Mutter Deutsche. Hier geboren und aufgewachsen. Bis heute wohnt er im Stadtteil.  Ist Gröpelingen ein guter Standort? 

Weil ich kein Ladengeschäft habe, bin ich nicht standortgebunden. Ich vertreibe meine Sachen über Facebook und Instagram, viel im Kollegenkreis oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber für mich persönlich ist Gröpelingen ein guter Standort. Hier hab ich meinen Platz. Ich mag das Flair des Stadtteils, obwohl alle schimpfen. In meiner sonstigen Arbeit fehlt mir der kreative Part und die Auslastung, das gleicht sich so aus. 

Bist du in deinem Job etwa nicht ausgelastet?! 

Ich bin ja bei der Bremer Polizei und mach dort Migration und Integration. Das sind meine Themen, aber das ist oft sehr theoretisch und schwer messbar. Du hast vielleicht ein Ergebnis in drei, vier Jahren oder unmittelbar. Aber du hast nie etwas, was du in der Hand hast. Ich liebe meinen Job, aber ich brauch auch dieses Handwerkliche, meinen Hammer, meinen Bohrer.  

Hier seht ihr Norman Aksoy in seiner Werkstatt vor einem Ragl mit Lampen

„Dinge, die der Fortschritt aus dem Alltag verbannt hat“ sammelt Norman Aksoy in seiner Werkstatt.

Ist Gröpelingen ein guter Stadtteil für Kreative? 

Kreativität gibt es hier an jeder Ecke, das sieht man meist gar nicht. Wenn ich an meine Kindheit denke. Da haben sich Leute selbstständig gemacht, die konnten nicht lesen und schreiben. Die haben geackert und versucht mit dem, was sie hatten, was zu machen. In Berlin wären wir ein In-Viertel vergleichbar mit Kreuzberg oder Neukölln. Aber der Stadtteil kommt. 

Was würdest du anderen Gründern raten? 

Es würde überheblich klingen, anderen was zu raten. Man braucht wahrscheinlich Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit. Ich bin ein ganz kreativer Mensch und handwerklich geschickt, aber ich kann nicht gut verkaufen. Man muss sich mit Werbung und Marketing beschäftigen. Am besten ist es wahrscheinlich, jemand an der Seite zu haben, der sich mit Betriebswirtschaft auskennt. Ich hab die Notwendigkeit nicht. Wenn ich davon leben müsste, wäre das schwer. Mir ist wichtig, dass sich Leute an dem erfreuen, was ich gemacht habe. Das ist mein Rockstar-Moment. 

Text und Interview: Eva Determann

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